Basisgewicht-Philosophie
Basisgewicht = alles im Rucksack außer Verbrauchsgütern (Essen, Wasser, Gas) und dem, was du am Körper trägst. Es ist die Stellschraube, die du vor der Tour kontrollierst — Essen und Wasser sind durch die Tour vorgegeben.
Richtwerte für eingespielte Wanderer:
| Basisgewicht | Gesamt ab Start (3 Tage) | |
|---|---|---|
| Klassisch | 10–14 kg | 15–19 kg |
| Leicht | 7–10 kg | 11–14 kg |
| Ultraleicht | < 5–7 kg | 9–11 kg |
Der Weg dahin ist unspektakulär: alles wiegen (Küchenwaage, Liste führen — z. B. in LighterPack-Manier), die drei schwersten Posten zuerst angehen, und bei jedem Teil fragen: Brauche ich das, oder beruhigt es mich nur? Angst wiegt am meisten.
Big Three
Rucksack, Schlafsystem, Shelter — hier liegen die Kilos:
- Rucksack: Erst zum Schluss kaufen! Wer leichtes Zeug hat, braucht keinen 2,5-kg-Lastenträger. 45–55 l und unter 1,5 kg reichen für fast alles in DACH.
- Schlafsystem (Sack + Matte): Komforttemperatur ehrlich wählen — in den Alpen auch im Sommer um 0–5 °C nachts. Daune spart Gewicht, Kunstfaser verzeiht Feuchte. Matte nicht vergessen: R-Wert ≥ 2 im Sommer, ≥ 4 in der Schulterjahreszeit.
- Shelter: Zelt vs. Tarp vs. Biwaksack — siehe Artikel Schlafplatz. 1,5 kg fürs Solozelt sind heute Standard, unter 1 kg gut machbar.
Was du weglässt
- Zweite Garnitur „für abends" — eine Wechsel-Baselayer reicht; Wandersachen stinken, na und.
- Jeans, Baumwoll-Hoodies, dicke Handtücher (Mikrofaser, klein).
- Klappsäge, Axt, Machete — in DACH schlicht unnötig (und heikel).
- Kissen (Kleidersack), Campingstuhl, zweite Kochtöpfe, Teller (aus dem Topf essen).
- Große Kulturtasche: Zahnbürste, Mini-Pasta, 30-ml-Seife, Sonnencreme klein — fertig.
- „Für alle Fälle"-Elektronik. Eine Powerbank (10 000 mAh, ~200 g) genügt für ein Wochenende.
- Halbvolle Großpackungen: alles umfüllen und portionieren.
Szenario 1: Sommer-Wochenende (2 Tage, Tal/Mittelgebirge)
| Kategorie | Inhalt |
|---|---|
| Big Three | Rucksack 35–45 l · Schlafsack/Quilt +5 °C · Matte R2 · Tarp oder leichtes Zelt |
| Kleidung | Baselayer-Wechsel, Fleece/Isojacke, Regenjacke, Mütze, Wechselsocken |
| Küche | Kocher + 100er-Kartusche, 750-ml-Topf, Löffel, Feuerzeug ×2 |
| Wasser | Filter + 2 l Kapazität |
| Sonstiges | Stirnlampe, Erste Hilfe, Powerbank 10 Ah, Karte offline in der App, Müllbeutel, Klopapier + Kelle |
Szenario 2: Mehrtagestrek mit Hüttenübernachtung (Alpen)
Ohne Schlafsystem und Shelter schrumpft alles: Rucksack 30–38 l, Basisgewicht 5–7 kg. Dazu kommen: Hüttenschlafsack (Pflicht!), Hüttenschuhe light (oder weglassen — viele Hütten haben Crocs), Bargeld (!), Ohrstöpsel, kleines Handtuch, AV-Ausweis. Wetterschutz bleibt voll dabei — der Weg zur Hütte ist alpin: Regenjacke und -hose, Handschuhe, Mütze auch im August.
Szenario 3: Trekkingplatz-Tour mit Zelt (3–5 Tage, z. B. Pfalz/Eifel/Schwarzwald)
Volle Autonomie: Big Three komplett, Essen für alle Tage (500–700 g/Tag, siehe Rezepte), Gas: 60–80 g/Tag, Wasserfilter plus 2–3 l Kapazität (Trekkingplätze haben selten Wasser!). Dazu Reservierungsbestätigung offline — die App kennt die Trekkingplätze und speichert deine Etappen offline. Realistisches Gesamtgewicht ab Start: 12–16 kg.
Szenario 4: Schulterjahreszeit (April/Mai, Oktober/November)
Die Saison der nassen Kälte — hier wird gezielt aufgerüstet statt abgespeckt:
- Schlafsack Komfort −5 bis 0 °C, Matte R ≥ 4, Zelt statt Tarp.
- Isojacke dicker (Daune/Synthetik 300 g+), Handschuhe + warme Mütze, lange Unterhose.
- Regenhose Pflicht, Gamaschen sinnvoll; zweites Paar Socken wasserdicht verpackt.
- Mehr Gas (+30 %, kaltes Wasser), Stirnlampe mit vollen Reserven — es ist ab 17 Uhr dunkel.
- Hohlfaserfilter frostsicher managen (nachts in den Schlafsack — siehe Artikel Wasser).
Nie streichen — egal wie leicht
Erste-Hilfe-Set (siehe Notfall), Rettungsdecke, Stirnlampe, Wetterschutz, Mütze, Signalpfeife, Feuerzeug ×2, Powerbank, offline gespeicherte Karten. Das sind zusammen unter 800 g — an Sicherheit spart man zuletzt.